Heute erschien mal wieder ein Interview in den Stuttgarter Nachrichten von Dr. Michael Kunze der mir aus dem Herzen sprach:
Frage: In Deutschland bestimmen nicht die subventionierten Bühnen den Musicalmarkt, sondern private Unternehmen. Kann das Publikum froh darüber sein? Oder liegt ein Versäumnis der Theaterintendanten vor?
Dr. Michael Kunze: Das Versäumnis liegt über 40 Jahre zurück. In den 80er wollte eine wachsende Zahl der Deutschen Musicals sehen, wie sie in London, New York und Wien gezeigt wurden. Die große Mehrheit der Stadt- und Staatstheater ignorierte dieses Interesse. Aufgeführt wurden allenfalls operettenartige Standards wie „My Fair Lady“ oder eben alte Operetten. Musiktheater ist die teuerste Form von Theater und eigentlich hätten sich die subventionierten Bühnen der Aufgabe widmen müssen, das angloamerikanische Musical zu importieren und neue, interessante, originäre europäische Musicals zu entwickeln. Das geschah damals nur in Wien. Die Nachfrage nach Musicals war in Deutschland aber ebenfalls stark, dass es einige private Unternehmen trotz der hohen Kosten wagten, die Lücke auszufüllen..
Letztlich blieben nur zwei große Anbieter übrig - Das Vorbild der vbw fand in Deutschland keine Nachahmung. Dieses Modell ist den rein kommerziellen Produktionsformen überlegen, denn es erlaubt , das Risiko von Originalproduktionen einzugehen. Ein Misserfolg ist keine Katastrophe.
Es ist ein Unding, dass die Förderung des Musiktheaters fast gänzlich der Oper zugutekommt. Die Steuern, die in die Theatersubventionen fließen, kommen von allen Bürgern. Das Unterhaltungsbedürnis und Kunstbedürfnis der Musicalfans verdient denselben Respekt wie die Vorlieben der Opernfans. Ich denke es wäre an der Zeit in Stuttgart so etwas wie die vbw zu etablieren.