Da ich keinen eigenen thread gefunden habe (vielleicht auch des Suchens unfähig) kommt hier mal meine Sichtweise zum Stück:
So, letztes Wochenende war ich in Berlin - und habe mir zum dritten Mal Ku‘damm 59 angesehen. Einer der wesentlichen Gründe war, dass ich wusste, dass Steffi Irmen, die ich bisher 2x als Christa Moser gesehen hatte, off sein sollte (und es auch war).
Bevor ich aber jetzt näher in eine (allgemeine) Review zum Stück gehe, möchte und muss ich dir als geneigtem/geneigter Leser/in ein paar Informationen ergänzend mitliefern, die wohl meine Einstellung zum 59er Ku‘damm beeinflussen.
1. Ganz allgemein: Den Ku‘damm 56 habe ich geliebt! Die Energie, die Art der Inszenierung, den Look, die Casts, die Musik. Kritisch fand ich immer, dass zu viele Handlungsstränge (3x 90 Minuten Film in etwa 140 Minuten) eingebaut wurden. Aber ich kannte die Story, da ich den Mehrteiler mehrfach gesehen hatte.
2. Die Freude auf 59 war groß. Auch möchte und mag ich die Songs, die ja schon recht früh veröffentlicht wurden.
3. Der Einbau der Rolle der Christa Moser machte mich aber ein wenig skeptisch. Insbesondere weil Plate/Sommer immer wieder in Podcasts und Co. wiederholt schilderten, wie diese entstand. Denn sie waren von Steffi Irmen im Rahmen der Romeo & Julia-Audition wohl SOOO begeistert, dass sie Anette Hees (ich hoffe, korrekt geschrieben) anfragten, dass für sie unbedingt eine Rolle eingebaut werden müsse…
Und das führt dazu, dass es der Ku‘damm 59 leider - trotz so starker Cast, auch vieler guter Songs und auch dem etwas der Zeit entsprechenderen Look - keinen vorderen Platz in meinem Musicalherzen finden wird. Denn mir ist der Aus- / Einbau der Rolle einfach zu groß. Ich hatte mir kurz vor meinem ersten Besuch nochmals den Dreiteiler angesehen. Da haben Moser und Caterina auch eine Affäre, die aber endet, weil er auch hinter anderen Röcken her war. Vom Umfang hätte ich da eine Rolle gesehen wie Assmann in Ku’damm 56.
Nun denn - Christa Moser hat aber gerade im ersten Teil sooo viel Raum für die Film-Szenen und auch Raum / Zeit mit Caterina, dass für mich einerseits viel zu wenig Zeit für die Entwicklung der anderen Charaktere über bleibt. Das dreht sich im 2. Teil zwar - aber so ist kaum Zeit für die drei Schwestern gemeinsam. Dann fällt da so ein toller Song raus wie „Wär ich ein Mann“. Ich habe den Eindruck, da ist der Fokus verloren gegangen, weil unbedingt für jemand - den ich sehr schätze auf der Bühne - eine Rolle entwickelt wurde. Auch, weil es *SPOILER* dann im zweiten Teil eine weitere queere Entwicklung (die für mich gefühlsmäßig aus dem Nichts kam bzw. kommt) *SPOILERENDE* gibt. Da habe ich halt den Eindruck: Das muss jetzt einfach noch unbedingt gemacht werden. Dabei hätte ich mir dann mehr Zeit für Wolfgang und Hans genommen. Generell auch diese ganzen - nicht immer nachvollziehbaren - Heimatfilmsequenzen finde ich wenig „Charakterentwickelnd“.
Angeblich könne man den 2. Teil auch schauen, ohne den 1. gesehen zu haben. Ich denke, dass ist schon eine Herausforderung. Denn die Beziehungen untereinander (wer hat was mit wem und mit welchen Folgen) erschließt sich erst spät und „schwierig“. Das kann ich aus Erfahrung meiner Begleitperson sagen.
Ich find die Show gut, den 2. Akt deutlich besser, aber habe einfach ein Störgefühl, weil ich vertane Chancen sehe.
Die Casts die ich bisher hatte, sind durch die Bank stark. Ich persönlich bevorzuge aber Karoline Konerts Christa Moser, sie war weniger „laut“ als Steffi Irmens Interpretation. Hat mich irgendwie mehr gepackt.
Das mal so als meine kleine Rückmeldung zum aktuellen Stück im aus meiner Sicht schönsten Musical-Theater Deutschlands. ;0)
Wie siehst du das, wenn du das Stück schon gesehen haben solltest?